Expertin für Veränderung

Carolin Weise, Expertin für Veränderung

Darf ich vorstellen? Carolin Weise, Expertin für Veränderung. Wie ich dazu wurde und was ich auf dem Weg dahin alles erlebt habe, beschreibe ich in diesem Artikel.

Als ich neulich bei einem Arzt anrief und es darum ging, ob sie mich schon – von einige Zeit zurückliegenden Besuchen – in der Kartei hätten, war mir das Sammelsurium an Namen etwas peinlich, das ich anzubieten hatte. Ich heiße Carolin Weise, äh, damals vielleicht noch Senff, oder halt, vielleicht auch Watzlawik? Schon anhand dieser Namenssammlung lässt sich erahnen, dass ich eine wechselhafte Vergangenheit hinter mir habe.

Aber auch diverse Umzüge, ein Hauskauf und Wiederverkauf, sowie die einige Jahre dauernde Zugehörigkeit zu einer bestimmten Glaubensgemeinschaft sorgten immer wieder für grundlegende Veränderungen in meinem Leben. Nun steht eine weitere, vielleicht die einschneidenste von allen?, unmittelbar bevor und ich fühle mich durchaus berufen, mich nun tatsächlich auch als Expertin für Veränderung zu bezeichnen.

Mit diesem Artikel möchte ich dir Mut machen, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und Veränderungen, insbesondere, wenn du dich selbst danach sehnst, nicht zu fürchten. Ich bereue keine einzige meiner Entscheidungen!

Kindheit und Jugend

Triggerwarnung: Tod eines Kindes, Selbstmord und Alkoholismus

Die beiden Veränderungen, die mich in meiner Kindheit und Jugend besonders trafen, waren schwerwiegender Art und ganz und gar unfreiwillig. Als ich 7 Jahre alt war, wurde mein Cousin von einem Auto überfahren, woraufhin sich seine Mutter, meine Patentante, das Leben nahm. Was das für mein Leben und das meiner Familie bedeutete, darauf möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Es sei nur eines dazu gesagt: Nach einem großen Schock wurde nach außen hin weitergemacht, als wäre nichts gewesen.

Ob die später immer mehr zutage tretende Alkoholabhängigkeit meiner Mutter mit dem Verlust ihrer Schwester und ihres Neffen in Zusammenhang steht, vermag ich nicht sicher zu sagen. Jedenfalls änderte sich mein Leben dieses Mal wirklich, denn meine, sich ansonsten recht behütet angefühlte Kindheit, war mit einem Schlag vorbei, als ich ungefähr 14 Jahre alt war und die Ausfälle meiner Mutter immer häufiger und gravierender wurden. Wenig später zog auch noch mein Vater aus und bis auf die finanzielle Sicherheit, für die er stets sorgte, gab es nur noch wenig Halt. Aber auch hier gelang es mir, mich prima anzupassen, die Gegebenheiten zu akzeptieren und das beste daraus zu machen.

Ja, richtig gespürt, im letzten Satz schwingt ein leichter Anflug von Ironie mit… Jetzt gerade beim Schreiben denke ich, dass ich vielleicht deshalb zu so vielen tiefgreifenden Veränderungen in meinem Leben bereit war und bin, weil ich es eben nicht mehr einfach so hinnehmen wollte, sondern mein Leben selbst gestalten möchte.

Auf der Suche nach Halt und Sicherheit

Ein großes Thema seit meiner Kindheit war – vielleicht ja naheliegend – das Thema Tod bzw. Sterben. Als ich meinen ersten Ehemann kennenlernte, kamen wir natürlich recht schnell auch darauf zu sprechen und er hatte Erklärungen für mich, die ich sehr beruhigend fand. Mein Interesse für die Glaubensgemeinschaft, mit der er sich schon verbunden fühlte, und die diese Thesen vertrat, wuchs und gemeinsam traten wir recht schnell offiziell bei, indem wir uns taufen ließen. Und da ich Dinge immer gerne ganz oder gar nicht tat, ergaben sich daraus auch recht schnell Veränderungen in meiner Lebensführung und in meinen familiären Beziehungen.

Meine Großeltern väterlicherseits zum Beispiel brachen den Kontakt zu mir gleich zu Beginn ab. Mit meinen Opa habe ich nie wieder gesprochen, meine Oma besuchte ich kurz vor ihrem Tod überraschend, worüber sie sich zum Glück sehr freute und mich für den Kontaktabruch um Verzeihung bat.

Halt und Sicherheit fand ich tatsächlich in dieser für mich neuen Form der Religiosität. Die wortgetreue Auslegung der Bibel und die penible Einhaltung der biblischen Gebote (bei aller Gewissensfreiheit) waren genau das, was mich anzog. Auch die Gemeinschaft mit Menschen in ganz Deutschland und auf Reisen im Ausland fand ich super. Es fühlte sich an wie eine große Familie, vor allem, als ich später alleinerziehend mit meinen drei Kindern war.

Hauskauf und Wiederverkauf

Ich vergaß zu erwähnen, dass ich während dieses Prozesses schon schwanger war und im zarten Alter von 23 Jahren zum ersten Mal Mutter wurde. Schon allein dadurch änderte sich mein Leben von nachtaktiver Langzeitstudentin, die vom Papa finanziert wurde, zu begeisterter Mama (die nach wie vor zu großen Teilen vom eigenen Papa finanziert wurde…). Das Verhältnis zu meinem Vater war im Verlauf der Jahre recht schwankend und während einer späteren Phase brach er den Kontakt bis kurz vor seinem Tod vollständig ab.

Zunächst aber half er uns, ein Haus zu finanzieren. Meine eigene, kleine Familie war mittlerweile auf 3 Kinder angewachsen und bezahlbarer Wohnraum kaum verfügbar. Also bot er uns an, uns finanziell großzügig unter die Arme zu greifen, so dass wir mein absolutes Traumhaus kaufen konnten. Es war ein Häuschen aus den 1930er Jahren, mit kleinem Erker und runden Giebelluken, drumrum ein buntbepflanzter, großer Garten. Sofort machten wir uns an die Renovierung, naja, eigentlich Sanierung, bei der auch mehrere Wände fielen und sämtliche Rohre und Leitungen neu verlegt wurden.

Mitten in den Arbeiten, wir waren schon nach den gröbsten Umbauten eingezogen, begann es heftig in unserer Ehe zu kriseln, und was sich für mich wie ein sicheres, zuverlässiges Fundament angefühlt hatte, zerbröckelte unter meinen Füßen. Die folgende Zeit war die bis dahin schwerste meines noch recht jungen Lebens, mein Selbstverständnis, meine Sicht auf das Leben, waren völlig erschüttert. In all den Irrungen und Wirrungen nach dem Auszug meines Mannes, war mir dennoch gleich klar, dass ich schnellstmöglich für meinen Unterhalt sorgen müsste, also nahm ich nach einigen Überlegungen den zweiten Teil des Lehramtsstudiums, den Vorbereitungsdienst (Referendariat), auf.

Einstieg ins Lehramt

Das Studium hatte ich mit abnehmendem Interesse betrieben, bis es schließlich stagniert war. Nach der Geburt meiner ersten Tochter hatte ich die letzten Scheine gemacht und während der Schwangerschaft mit meinem Sohn hatte ich es schließlich mit dem ersten Staatsexamen beendet. Nun war aufgrund der knapp 7 jährigen Pause ein Kolloqium nötig, um nachzuweisen, dass ich noch nicht alles vergessen hatte… Mit drei kleinen Kindern im Alter zwischen 3 und 8 Jahren konnte ich schließlich mein Referendariat beginnen.

Da sich die Ereignisse in diesen Jahren teilweise überschlugen, ist eine chronologische Darstellung etwas schwierig. Jedenfalls beschloss ich auch recht schnell, nicht im Haus zu bleiben, da mir die Berufstätigkeit nicht die Zeit lassen würde, mich auch noch um den großen Garten und die weitere Renovierung zu kümmern. Außerdem wollte ich von meinem Vater unabhängig werden, der mir die Zahlung der Raten zunächst abgenommen hätte.

Nach einer erfolglosen Wohnungssuche (alleinerziehende Mutter mit drei Kindern und kurz vor dem Ref noch ohne nachweisbares Einkommen), als ich mich schon damit abgefunden hatte, im Haus zu bleiben, bot mir ein Bekannter eine tolle große Wohnung in einer anderen Stadt an. In Absprache mit den größeren Kindern, die dafür die Schule wechseln mussten, zogen wir also mitten im Referendariat nach Besigheim und das Haus wurde verkauft.

Intensive Zeit der Glaubensausübung

Nach der Scheidung, noch während des Referendariats, das eigentlich eine völlige Überforderung in meiner damaligen Situation darstellte, half mir die aktive Ausübung meines Glaubens ziemlich, nicht die Hoffnung und die Freude am Leben zu verlieren. Vermehrt setzte ich mich im sogenannten ‚Predigtdienst‘ ein, verbrachte neben Arbeit und Kindern zeitweise 50 und später um die 70 Stunden monatlich damit, von Haus zu Haus zu gehen und mit den Menschen über ‚die gute Botschaft‘ zu sprechen.

In der Herausforderung, dies neben allen anderen Pflichten möglich zu machen, und auch im Kontakt mit so vielen Menschen (zum einen den vielen, verschiedenen ‚Predigtdienstpartnern‘, zum andern den meist jungen Müttern, mit denen ich über die Bibel sprach) fand ich große Erfüllung. Es war eine schöne, aufregende Zeit und fühlte sich durch das dafür benötigte Vertrauen manchmal an wie fliegen.

Als ich später aktiv in die Schulentwicklung eingebunden war und darin völlig aufging, außerdem zunehmend unter dem langjährigen Alleinsein litt, entfremdete ich mich von diesem Glaubenskonstrukt, das ein Zusammenleben nur in der Ehe vorsah. Ein ’so tun als ob‘, damit alles so bleiben konnte, wie es war, kam für mich nicht in Frage. Also trat ich vor ungefähr 10 Jahren aus der Glaubensgemeinschaft aus, auch wenn das wiederum einige Zerrüttungen in meine Familie brachte.

Zweite Ehe

Obwohl ich keine Ehe anstrebte, meine Kinder aus dem Gröbsten raus waren und ich mich auf meine dadurch gewonnene ‚Freiheit‘ freute (ich überlegte z.B., ein weiteres Studium aufzunehmen und mich beruflich umzuorientieren), war die Sehnsucht in mir nach Familie und heiler Welt wohl doch stärker, als mir bewusst war. Denn keine zwei Jahre später fand ich mich, wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“, in einer verblüffend ähnlichen Situation wie 20 Jahre zuvor wieder: Ich heiratete einen Mann, den ich kaum kannte und erwartete ein Kind von ihm.

Auch dieses Mal keine guten Voraussetzungen für eine glückliche Beziehung und die folgenden Jahre empfand ich, als wäre ich in einer Sackgasse gelandet, als wäre mein Leben zu Ende. Aber wo viel Schatten ist, muss ja irgendwo auch Licht sein: Ich begann meine Coachingausbildung und entwickelte mich Stück für Stück zu der Person, die ich jetzt bin. Immer mehr dem Licht entgegen. Und momentan bereite ich mich auf die vielleicht wichtigste Veränderung in meinem Leben vor. Obwohl ich weiß, dass die Entwicklung nie abgeschlossen sein wird, fühlt es sich für mich so an, als ob jetzt erst mein eigenes, echtes Leben beginnt!

Was macht mich zur Expertin?

So unterschiedlich die Situationen gewesen sein mögen, in denen ich Veränderungen in meinem Leben herbeigeführt habe, mittlerweile haben sich für mich einige wichtige Schritte herauskristallisiert, die quasi immer erfolgt sind:

Nach einer Phase der diffusen Unzufriedenheit, in der eine gute Lösung kaum möglich schien, war es die ehrliche Bestandsaufnahme, das Anerkennen des ‚Ist-Zustands‘, der mich in die Umsetzung brachte. Erst als ich sämtliche Ausflüchte und Beschönigungsversuche beiseite lassen konnte, war der Blick offen für das, was ist. Und damit die Basis gelegt für eine nachhaltige Veränderung. Auch wenn ich zunächst nur sicher wusste, was ich nicht mehr wollte, rückte das bis dahin scheinbar Unmögliche damit in den Fokus. Und war der Entschluss erst einmal gefasst und durch kleine, erste Schritte gefestigt, gab es kein Zurück mehr.

Falls du mehr über diese 3 Schritte erfahren möchtest, findest du sie ausführlicher im Artikel „Zeit für einen Mutausbruch?!“ beschrieben.

2 Kommentare

  1. Liebe Carolin
    Danke für diesen spannenden Einblick in dein bewegtes Leben. Wow – was für eine starke Frau du bist! Du schreibst scheinbar nebensächlich und kurz über so viele gravierende Umstände. Situationen, die viele Andere hätten zerbrechen lassen. Wie du es dann nach all den Turbulenzen auch noch geschafft hast, mit 3 kleinen Kindern ein Referendariat zu beginnen? Da ich aus meiner persönlichen Erfahrung weiß, was ein Ausstieg aus einer Glaubensgemeinschaft bedeutet, weiß ich auch, dass du enorme Stärke bewiesen hast. Du bist sehr mutig und weißt genau, dass du dir selbst vertrauen kannst. Ich könnte jetzt ewig weiterschreiben, aber vielleicht kann ich es kürzen, indem ich sage: Wer könnte eine bessere EXPERTIN FÜR VERÄNDERUNG sein, als eine Frau mit dieser Expertise, die die Meisterschaft dieses bisherigen Lebens mit Bravour geschafft hat. Herzliche Grüße und dass deine nächste große Veränderung dir Licht, Liebe, Freiheit, Fülle und Glück bringt.
    Marianne

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